Bis zum letzten Tag

Mein Sparks-Experiment



Autor: Nicholas Sparks
Erscheinungsjahr: 2008
Verlag: Heyne
415 Seiten
ISBN 9783453406391

Klappentext:
An die große Liebe glaubt Travis Parker nicht.  Er hat sich seine Welt bestens eingerichtet: ein guter Job, nette Freunde, ein Haus nahe am Meer - und keine Beziehung, die ihn einengen könnte. Doch dann lernt er Gabby Holland kennen, die sein Herz im Sturm erobert. Gegen viele Widerstände gelingt es ihm, sie für sich zu gewinnen. Er ahnt nicht, dass seine härteste Prüfung noch bevorsteht.




Meine Meinung:


„Bis zum letzten Tag“ war mein erster Sparks, das gebe ich zu. So blöd sich das jetzt auch anhört – ich habe bisher nur seine Filme gesehen. Weil mir die romantischen Geschichten aber so gut gefielen, habe ich beschlossen, eines seiner Werke zu lesen und das Buch über Gabby Holland und Travis Parker ist mir zuerst in die Hände gefallen.
Ich muss sagen, dass ich etwas anderes erwartet habe. Irgendwie… mehr.
Travis wird zunächst als Lebemann dargestellt, als jemand, der sich nicht lange binden will und dem der Spaß (neben seinen Freunden) das Wichtigste im Leben ist. Umso überraschter war ich, als er Gabby plötzlich eröffnet, dass er ein Familienmensch ist, wie er im Buche steht. Mir kommt es so vor, als wollte Sparks die typische Geschichte erzählen: „Mann ist bindungsunfähig und genießt sein Single-Leben in vollen Zügen, dann kommt da aber diese eine Frau, die ganz anders ist und sie werden glücklich bis an ihr Lebensende“, allerdings verpasst er dabei den Absprung.
Genau wie Travis, ist auch Gabby sicherlich ein interessanter Charakter, allerdings geht Sparks meiner Meinung nach zu wenig auf ihre Gefühle ein. Klar ist da ein innerer Konflikt, weil sie anfangs ja schon vergeben ist. Aber der Leser erfährt nicht, wer Gabby wirklich ist. Travis beschreibt sie anfangs oft als wütend und verschlossen, aber irgendwie ist dieses Verhalten für mich unverständlich. Es mag ja sein, dass sie bei ihrem ersten richtigen Aufeinandertreffen einen Grund zur Wut hat, später fehlt mir aber die Erklärung. Später, als Gabby und Travis – wer hätte das gedacht – endlich zusammengefunden haben, erleben wir auch in ihrem Charakter eine 180°-Wende.
So wie ich sie eingeschätzt hätte – nämlich ein bisschen verschlossen, schüchtern und eher zurückhaltend – ist sie auf einmal gar nicht mehr. Klar, man könnte jetzt sagen, es liegt an Travis, dass sie auf einmal Eigenarten hat, von denen dem Leser vorher noch nie etwas aufgefallen ist. Auf mich wirkte es allerdings eher, als ob  Sparks damit krampfhaft zu begründen versucht, wieso sie für Travis so etwas Besonderes ist. 
Oberflächlich sind die Charaktere ganz nett und die Liebesgeschichte ist auch schön erzählt.
Aber dann ist da noch der Schluss.
Selbst ich, als unerfahrene Sparks-Leserin, habe schon mitbekommen, dass seine Bücher häufig eine tragische Wendung nehmen. Ich war auch darauf vorbereitet, denn der Klappentext hat schon etwas in der Richtung angedeutet. Aber an sowas habe ich dann doch nicht gedacht. Sparks hat Travis inneren Konflikt ganz nett dargestellt und man leidet mit ihm, aber ich muss wirklich sagen, dass  nach 350 Seiten Romantik der Schnitt doch etwas abrupt kommt. Auf einmal ist die ganze Situation unklar, der Leser muss sich unendlich gedulden, bis er erfährt, was überhaupt passiert ist. Die letzten gut 60 Seiten widmet Sparks dann dem tragischen Zwischenfall und dem (vorhersehbaren) Ende. Meiner Meinung nach ist das einfach zu wenig und aus der Luft gegriffen. Die beiden Geschichten erzählt er in parallelen Strängen und ich hatte das Gefühl, dass die zwei Handlungen überhaupt nichts miteinander zu tun hatten. Sicher ging es immer noch um dieselben Figuren, aber Sparks hätte gut und gerne auch zwei Bücher daraus machen können.

Fazit:
Die unzusammenhängende Handlung und die eher schlecht realisierten Figuren machen das Buch für mich nicht gerade empfehlenswert. Vermutlich steuert dazu bei, dass die Zielgruppe vom Autor sicherlich fünf Jahre älter angesetzt ist und dass es sich im Grunde eine typische Liebesgeschichte handelt. Da will man, dass das Ende gut ist und das ist nunmal vorhersehbar.
Wer also einen schnulzigen Liebesroman lesen will und über den ein oder anderen Kritikpunkt hinwegsehen kann, für den ist das Buch sicherlich leichte Lektüre. 
Nicht geeignet ist der Roman aber für Leute, die trotz der Romantik auch eine durchdachte, spannende und schlüssige Story erwarten.

Bewertung:

                                         2 / 6 Herzen

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