[Interview] Über's Schreiben mit Eva Siegmund

Huhu ihr Lieben,
 herzlich Willkommen zum zweiten Teil dieser Interview-Reihe! :)

(c) Isabelle Grubert

 Ich durfte noch eine weitere ganz tolle Autorin befragen :)
Eva Siegmund kennt ihr wahrscheinlich als die Autorin von "LÚM - Zwei wie Licht und Dunkel". Meine Rezi dazu findet ihr HIER.
Ihre Autorenseite: http://evasiegmund.de/




1. Planst du oder schreibst du einfach drauflos?
Früher habe ich einfach drauflos geschrieben und mich mit meinen Figuren ins Abenteuer gestürzt. Das macht zwar großen Spaß, kann aber auch gefährlich werden – für Autor und Figuren. Denn es kann passieren, dass man für ein Problem keine Lösung oder aus einer brenzligen Situation keinen guten Ausweg findet. Und dann hat man Schwierigkeiten und muss möglicherweise ganze Partien löschen. Daher habe ich angefangen, die Bücher richtig zu planen. Das ist auch für meinen Agenten und meine Lektorin wesentlich schonender für die Nerven. 

2. Wenn du ein Planer bist: Wie plottest du?
Ich plotte nicht komplett durch, denn der Prozess des freien Schreibens ist mir schon noch enorm wichtig. Es ist nicht so, dass ich Kapitel für Kapitel durchplane, sondern die Handlung quasi als Kurzgeschichte vorher durchformuliere. Diese Kurzgeschichte ist dann ca. 10 Seiten lang und gibt mir genug Plotsicherheit, um loslegen zu können – aber auch genügend Freiheit für die eine oder andere Überraschung 

3. Wie sieht dein Schreiballtag aus? Was darf nicht fehlen?
Ruhe. Ich könnte niemals in Cafés oder an lauten Orten schreiben. Dann schaffe ich es nicht, richtig in die Geschichte einzutauchen. Aber wenn es ruhig ist, brauche ich nicht viel, um Schreiben zu können – meinen Laptop und einen bequemen Stuhl. Manchmal schreibe ich mit Musik, dann aber instrumental. Songtexte fallen auch in die Kategorie Ablenkung. Sonst brauche ich eigentlich nur noch etwas zu trinken (im Winter Tee, im Sommer Wasser) und die richtige Tageszeit – am besten kann ich zwischen 12.00 Uhr und 18.00 Uhr schreiben. Wenn ich zu Hause schreibe, werde ich von einem kleinen Pechvogel aus Filz dabei bewacht, der an meinem Monitor klemmt.

4. Benutzt du ein bestimmtes Programm zum Schreiben?
Jetzt werde ich leicht rot: nein. Ich schreibe nach wie vor in Word. Eine Tatsache, die unter den technikverrückten Männern in der Familie (mein Mann und mein Papa ganz vorne) viel Erheiterung und Kopfschütteln hervorruft. Ist nicht so, als hätte ich es nicht schon mit anderen Programmen versucht, aber die Oberfläche von Word gibt mir ein heimeliges Gefühl. Und mein heiß geliebter Desktop-Rechner ist schon 12 Jahre alt und ich bin froh, dass ich Dropbox zum Laufen gebracht habe. Man sollte sein Glück auch nicht überstrapazieren! 

5. Wie lange brauchst du vom ersten Satz bis zum Beenden der Rohfassung?
Das kann ich Dir leider echt nicht sagen, das variiert. Die erste Idee ist oft schon älter. Wenn dann die oben genannte Kurzgeschichte steht, fange ich erst mal an, bespreche aber zu Beginn viel mit Lektoren und Agentur und hole mir die Meinung der Menschen ein, die ich schätze und denen ich menschlich und fachlich vertraue, damit ich nicht in die »falsche Richtung« laufe. Wenn alles feststeht, bin ich recht fix mit der Rohfassung. Aber vom ersten bis zum letzten Satz der Rohfassung vergehen schon ca. 9 Monate. 

6. Wie überarbeitest du?
Ich überarbeite immer am nächsten Tag den Abschnitt, den ich am Tag zuvor geschrieben habe. So komme ich auch wieder gut in die Geschichte rein.
Wenn dann das ganze Manuskript steht und ich die Möglichkeit habe, dann lasse ich den Text einige Wochen liegen, ohne ihn anzusehen, damit ich einen frischen Blick auf meine Zeilen bekommen kann. Und dann mache ich es ganz altmodisch mit einem Ausdruck und einem Rotstift. Am Rechner hat man einfach ein anderes Leseverhalten als auf der Couch. Gerne lese ich das Buch auch einmal komplett laut vor. Das dauert dann zwar ein paar Tage, aber man entdeckt kleine Fehler und der Text bekommt mehr Rhythmus. Und bevor ich dann an die Änderungen gehe, hole ich mir natürlich wieder die Meinung meiner Lektorin und anderer Vertrauter ein. 

7. Hast du Kollegen, mit denen du schreibst? Nimmst du am NaNoWriMo teil? Oder schreibst du am liebsten ganz allein und ohne Wettbewerb?
Das habe ich ja oben schon angedeutet: Ich schreibe alleine. Ich lasse mich einfach zu schnell ablenken – ich gehöre eindeutig zum Typ „Oh schau mal, ein Eichhörnchen“. Aber die oben genannten Vertrauten sind natürlich immer an meiner Seite und geben mir Rückmeldung, wenn ich sie brauche. 

8. Woher nimmst du deine Ideen und Inspirationen?
Die meisten Ideen kommen mir entweder unter der Dusche oder kurz vor dem Einschlafen. Letzteres ist zwar schön, aber auch ein bisschen unpraktisch, weil ich genau weiß, dass ich dann aufstehen und die Idee aufschreiben muss, damit sie nicht über Nacht verschwindet.
Ich schätze mal, das sind beides Zeitpunkte, an denen ich an nichts Besonderes denke und mein Kopf Gelegenheit hat, sich zu entspannen und einfach mal drauf los zu spinnen. Als Inspiration dient mir eigentlich die ganze Welt. Ich reise gerne, lerne andere Menschen kennen und erkunde am Liebsten alles zu Fuß. Beim Spazierengehen kommen mir auch oft gute Ideen. 

9. Was machst du gegen eine Schreibblockade?
Weiterschreiben und mich nicht verunsichern lassen. Vielleicht ist die Textpassage dann weniger brillant, aber die kann man hinterher auch noch löschen und neu schreiben. Wichtig ist, dass man keine Angst vor dem eigenen Text bekommt. Auch ein Autor hat gute und schlechte Phasen, das ist ganz normal. 

10. Kannst du bestimmte Schreibratgeber oder Webseiten empfehlen?
Mir hat zu Beginn meines Schreibens das Autorenhandbuch von Sandra Uschtrin unheimlich weitergeholfen. Da stehen so viele gute Tipps und Informationen für alle drin, die ein Buch veröffentlichen wollen. Der Ratgeber bewahrt vor vielen Fehlern, die Jungautoren gerne machen. Ich kann es jedem nur ans Herz legen, auch wenn es kein Schreibratgeber im herkömmlichen Sinn ist.  

11. Dein ultimativer Tipp an andere (Hobby-)Autoren?
Zwischen den Schreibphasen sollte man lesen, was das Zeug hält und versuchen, von anderen Kollegen so viel wie möglich zu lernen. Während des Schreibens finde ich es aber besser, nicht zu lesen, weil es sonst passieren kann, dass sich unbemerkt ein fremder Stil einschleicht. Es ist wichtig, zu lesen und zu schreiben, aber für beides die richtige Zeit zu kennen. 

12. Woran arbeitest du momentan? Auf welche Veröffentlichung können wir uns bald freuen?
Ich arbeite im Moment an einem neuen Jugendroman, der wieder bei cbt erscheinen wird. Mehr wird aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten ;) 


 Ganz lieben Dank an Eva fürs Beantworten der Fragen! Ich finde es übrigens extrem witzig, wie viele Menschen die besten Ideen beim Duschen haben... Bei mir ist das leider nicht der Fall :D
Liebe Grüße,
Stefanie

1 Kommentar:

  1. Ich finde deine "Fragen an Autoren" eine extrem gut Idee-auch wenn sie dir vielleicht nicht während dem Duschen eingefallen ist! ;-)
    Schreibblockaden sind bei mir nur vorhanden, wenn ich meinen Text bodenlos schlecht finde. Dann mache ich die Augen zu und schreibe ohne Punkt und Komma (alles klein) auf, was mir in den Sinn kommt, auch wenn zu viele "unds", "danns" oder sonstiger Blödsinn vorkommt. Mein innerer Lektor ist bei Schreibblockaden das Problem, und damit kann ich den vorhandenen Text sehr gut überarbeiten, so sind viele Textpassagen, die ich während Schreibblockaden geschrieben habe, besser als andere.
    P.S: Welchen Autor/welche Autorin hast du als nächstes vor, zu interviewen? ^^

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