[Interview] Über's Schreiben mit Laura Newman

Huhu ihr Lieben,

heute gibt es ein Interview mit Laura Newman.
Viele von euch werden sie schon kennen, für die, die es nicht tun: Laura ist Selfpublisherin und hat unter anderem die erfolgreiche Nachtsonne-Trilogie geschrieben (meine Rezi zu Teil 1 findet ihr HIER).
Lauras Autorenblog findet ihr hier:
www.lauranewman.de


Ich durfte ihr ein paar Fragen über das Schreiben stellen und hoffe, ihr seid genauso gespannt auf ihre Antworten, wie ich es war :)

1. Planst du oder schreibst du einfach drauflos?
Die ersten vier Wochen bilde ich mir noch ein, ich bräuchte keinen Plot, die Geschichte würde sich einfach so entwickeln. Dann scheitere ich brutal und erstelle einen.
In der Regel fertige ich einen groben Plot an, lege dann los und schaue, wie sich meine Protagonisten verhalten. Je umfangreicher das Projekt wird, desto exakter skizziere ich den Plot. Im letzten Drittel weiß ich dann meist ziemlich genau, was wann und auf welche Weise passieren wird.

2. Wenn du ein Planer bist: Wie plottest du?
Das ist einfach zu beantworten. Zuerst setze ich mich hin und schaffe die Rahmendaten. Worum geht es in der Geschichte? Wer ist die Hauptperson? Wie wird erzählt und worauf läuft es hinaus? An diesem Punkt des Prozesses entstehen Logikfehler und meist fehlt auch noch die ordentliche Portion Spannung. Weil ich selber aber schon viel zu tief drinstecke, hole ich mir in diesem Stadium Unterstützung.
Regemäßig, alle zwei bis drei Wochen, setzen mein Freund und ich uns abends hin und diskutieren. Wir kommen beide aus der Werbung, lesen beide gerne, haben beide veröffentlicht. Ich bin die, mit der Fantasie und er der Durchblicker. Außerdem ist er praktischerweise auch noch Texter, was bei derlei Projekten nicht schaden kann ;)
Wie malen uns verschiedenste Szenarien aus, geraten immer wieder in Sackgassen, bis es dann perfekt passt. Und dann beginne ich damit, das Ganze aufzuschreiben. Die wichtigsten Kapitel lese ich ihm anschließend vor und wir beraten uns darüber, ob der gemeinsam erdachte Plot sich im Text auch angemessen widerspiegelt.

3. Wie sieht dein Schreiballtag aus? Was darf nicht fehlen? 
Musik! Musik darf nicht fehlen. Ich bekomme nicht ein Wort zu "Papier" ohne Musik.
Ansonsten habe ich keine festen Regeln. Zuträglich ist es jedoch, wenn der Arbeitsplatz frisch aufgeräumt ist und besonders nachts klappt das Schreiben gut.

4. Benutzt du ein bestimmtes Programm zum Schreiben?
Ich habe schon viele Experimente gemacht. Nachtsonne Band ein und zwei sind mit dem YWriter entstanden. Der dritte Teil auf ganz reduzierte Weise innerhalb eines Texteditors auf dem Tablet (mit Bluetooth Tastatur natürlich). Danach habe ich mir wieder klassisch mit Word beholfen, dann mit Scrivener und inzwischen bin ich, wie beinahe alle Autoren, bei Papyrus Autor angekommen und werde dabei bleiben.

5. Wie lange brauchst du vom ersten Satz bis zum Beenden der Rohfassung?
Das ist ganz unterschiedlich. Erfordert die Geschichte viel Recherche und umfasst eine Vielzahl an Charakteren, dann dauert es länger. Ist alles auf meinem "Mist" gewachsen und ich bestimme die Regeln, dann geht es schneller.
Nach inzwischen beinahe sechs fertiggestellten Büchern kann ich berichten, dass ich für eine vollständige Geschichte, mit etwa 100 000 bis 250 000 Wörtern, ziemlich genau ein Jahr brauche.

6. Wie überarbeitest du?
Es gibt bei mir tägliche Überarbeitungssteps und Wochenphasen. Wenn ich ein Kapitel geschrieben habe, lasse ich es über Nacht liegen und überarbeite es direkt am nächsten Tag. So geht es dann weiter, bis ich etwa ein Drittel des Buches geschrieben habe. Dann startet die erste Überarbeitung. Nach dieser kommen bereits Testleser aus dem engsten Vertrautenkreis zum Zug, während ich weiterschreibe. Am Ende des zweiten Drittels arbeite ich das Feedback ein, überarbeite alle Kapitel noch einmal und erweitere den Testleserkreis.
Für mich birgt dies den Vorteil, dass ich das komplette Buch noch einmal frisch gelesen habe, während ich das Finale schreibe. So passieren weniger Logikfehler und ich denke auch daran, bestimmte Verhaltensweisen oder Hinweise am im letzten Drittel erneut aufzugreifen.

7. Hast du Kollegen, mit denen du schreibst? Nimmst du am NaNoWriMo teil? Oder schreibst du am liebsten ganz allein und ohne Wettbewerb?
Den NaNo habe ich 2014 zum ersten Mal mitgemacht und werde es definitiv wieder tun. Dabei geht es nicht um Qualität, sondern schlicht um Masse. Den Feinheiten kann man sich später widmen. Man hat dann aber wenigstens schon mal solide 50 000 Wörter mit denen man arbeiten kann.
Wie oben erwähnt, nutze ich den Scharfsinn meines Freundes aber ansonsten bin ich ein Ein-Frau-Unternehmen.

8. Woher nimmst du deine Ideen und Inspirationen?
Ich bin ein Filmmensch. Beinahe alle meine Geschichten könnten auch Drehbücher sein, glaube ich. Wenn mich ein Streifen, mit allem Drum und Dran berührt, vom Soundtrack bis zur Bildsprache, dann inspiriert mich das sehr. Vieles schnappe ich auch auf Reisen auf. Eindrücke, Menschen, Gerüche ... Daraus können schon mal ganze Geschichten entstehen.

9. Was machst du gegen eine Schreibblockade?
Nichts. Wenn sie kommt, dann muss man sie aussitzen.
Ich befinde mich in der glücklichen Position, neben der Schreiberei noch diverse andere Projekte am Laufen zu haben. Oft ist dies eher anstrengend aber gerade während einer Schreibblockade sehr praktisch. Wenn die Wörter nicht aus meinem Kopf wollen, dann schneide ich Videos, gestalte Webseiten, entwickele neue Schmuckkreationen oder gehe neue Projekte wie Newsletter, Wallpaper oder ein Hörbuch an.

10. Kannst du bestimmte Schreibratgeber oder Webseiten empfehlen?
Ganz klar die Self Publisher Bibel. Sie ist keineswegs auf den Selbstverlag beschränkt, sondern bietet eine ganze Reihe hilfreicher Tipps für Schreiberlinge und die, die es werden wollen. Ansonsten lese und höre ich unglaublich viel. Mit jedem Buch, das durch meine Hände geht, nehme ich Techniken und neue Ansätze des Autoren mit. Das ist kein Nachmachen, sondern lernen und hilft ungemein.

11. Dein ultimativer Tipp an andere (Hobby-)Autoren?
Uuuh, das böse Wort Hobby :D
Mein Tipp: Nichts überstürzen. Nicht voreilig publizieren. Als Self Publisher muss man wenigstens so viel Zeit und Energie in das Vertrautmachen mit der Materie (Technik, Anbieter, Programme, Plattformen, Dateiformate, Presseaktivität, Drittanbieter, etc.) investieren, wie in die Erstellung seines ersten Werkes.

12. Woran arbeitest du momentan? Auf welche Veröffentlichung können wir uns bald freuen?
Derzeit stecke ich mitten im Finale von "Coherent". An diesem Buch arbeite ich seit beinahe einem Jahr und plane, es Mitte 2015 herauszubringen.
In der Geschichte geht es um ein junges Mädchen, das sich urplötzlich mit einigen außergewöhnlichen Fähigkeiten konfrontiert sieht und lernen muss, mit diesen umzugehen. Gleichzeitig geschehen ein paar schöne und ein paar weniger erfreuliche Dinge in ihrem Leben und schließlich findet sie sich mitten auf der Flucht vor einer ominösen Geheimorganisation quer über den Globus wieder.
 

Also ich finde, eine Flucht quer über den Globus hört sich schonmal super gut an und ich freue mich schon auf Coherent :)
Ein riesengroßes Dankeschön an Laura fürs Beantworten der Fragen!
Ich hoffe, ihr hattet Spaß und habt euch vielleicht die eine oder andere Inspiration holen können.
Liebe Grüße,
Stefanie

Kommentare:

  1. Hallo Stefanie,

    ein wirklich tolles und gelungenes Interview mit Laura. Ich habe Ihre Trilogie "Nachtsonne" regelrecht verschlungen und freue mich ebenfalls schon auf "Coherent".

    Liebe Grüße,
    Uwe

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  2. Hallöchen!

    Ein wirklich sehr tolles Interview!
    Gerade solche Interviews interessieren mich voll und du hast super spannende Fragen gestellt :)

    Liebe Grüße
    Kate

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